

„Warum muß ich in ein Volk hineingeboren sein, das aus Wagneropern Geschichte macht?“, fragte sich der Soldat Erich Kuby 1941, mitten im Krieg.
In der Nachkriegszeit wurde Kuby (1910–2005) neben Größen wie Golo Mann, Marion Gräfin Dönhoff und Sebastian Haffner einer der bedeutendsten politischen Publizisten der Bundesrepublik, oder, wie Heinrich Böll ihn nannte: ein „Nestbeschmutzer von Rang“. Er schrieb für „Spiegel“, „Stern“, „Süddeutsche Zeitung“ und „Welt“, aber vor allem schrieb er stets kritisch, oft schonungslos und mit großer
Schärfe. Geprägt von seinen Erfahrungen als Wehrmachtsoldat wollte er es den Deutschen nie leicht machen: Vehement focht er gegen die Wiederaufrüstung und setzte sich kritisch
mit den gesellschaftlichen Verhältnissen der Nachkriegszeit auseinander. Distanz zum Geschehen, nicht selten ironische, kennzeichnet Kubys Schreibweise durch alle Jahrzehnte. Als scharfsichtiger Beobachter nahm er wie ein Seismograph Symptome wahr und schrieb ihre Tendenzen fort, oft mit großer Prägnanz.
In der Ausstellung werden erstmals Zeichnungen und Aquarelle von Erich Kuby präsentiert, in Kombination mit Notizen und Briefen, die er 1975 in dem Buch „Mein Krieg – Aufzeichnungen aus 2129 Tagen“ publiziert hat. Es ist ein zeitloses Buch, denn es beschreibt eine Geschichte individueller Verweigerung gegenüber der Inhumanität des Krieges – und es ist zu erfahren, wie Schreiben und Zeichnen als geistiger Quell dem Bestehen und dem Widerstehen dienen können. Beide kreativen Tätigkeiten setzen eine genaue Beobachtungsgabe voraus, ihre Resultate werden hier in einen Dialog gestellt.
Die Ausstellung wurde von Susanna Böhme-Kuby und Benedikt Kuby kuratiert.
Sonntag, 9. Oktober 2011, 11 Uhr, Buddenbrookhaus
Eröffnung
Begrüßung durch Frank-Thomas Gaulin, Vorsitzender des Stiftungsrates der Kulturstiftung Hansestadt Lübeck. Lesung von Texten Erich Kubys durch Jan Bovensiepen. Einführung durch die Kuratorin und Witwe Erich Kubys,
Susanna Böhme-Kuby. Anschließend Empfang und Rundgang durch die Ausstellung mit den Kuratoren
Susanna Böhme-Kuby und Benedikt Kuby.
Eintritt: 7 EUR / ermäßigt 5 EUR. Um Anmeldung unter 0451/122-4240 oder
museen@luebeck.de wird gebeten.
Freitag, 14. Oktober 2011, 20:30 Uhr, Kommunales Kino, Mengstraße 35
Filmabend: Das Mädchen Rosemarie
Drehbuch: Erich Kuby (Deutschland 1958)
Mit Einführung von Karolina Kühn, Wissenschaftliches Volontariat im Buddenbrookhaus.
Es gelten die Eintrittspreise des Kommunalen Kinos, Tel. 122-1287.
Freitag, 28. Oktober 2011, 16:00 Uhr
Dienstag, 8. November 2011, 18:00 Uhr
Führung durch die Ausstellung
Mit Ursula Häckermann
Teilnahme: 8 EUR / ermäßigt 5,50 EUR (inkl. Eintritt).
Begleitband
Begleitend zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen: Erich Kuby. AufZeichnungen
1939-1945, hrsg. von Susanna Böhme-
Kuby und Benedikt Kuby,
Hamburg 2010, 97 Seiten, ISBN 978-3-938218-16-7.
Der Band kann zum Preis von 13 EUR über shop@buddenbrookhaus.de bestellt werden (zzgl. Versandkostenanteil).
Workshop für Schüler zu Erich Kuby
In einem „Schreibgespräch“ setzen sich Schüler mit dem in der Ausstellung Gesehenem und Gehörten kreativ auseinander. Der Workshop wird von Ursula Häckermann (pädagogische Referentin im Buddenbrookhaus) geleitet
und kann individuell gebucht werden.
Dauer: 1,5-2 Stunden. Auf Wunsch kann der Workshop auch mit einer Führung im Willy-Brandt-Haus kombiniert werden. Kosten: 40 EUR/Gruppe zzgl. 2,50 EUR/Person.
Anmeldung und Beratung: 0451/122-4240 oder museen@luebeck.de
