Debüt im Buddenbrookhaus 2003

Der Preisträger 2003 - Christof Hamann

Christof Hamann  »Seegfrörne«
„Seegfrörne“ nennen die Anwohner es, wenn der Bodensee zu einer einzigen Eisfläche wird. Dieses äußerst seltene Naturschauspiel fand zum letzten Mal im Jahr 1963 statt. Seither gilt der sechzehnjährige Robert Teiler, der sich auf den Weg übers Eis gemacht hat, als verschollen. Höfe, der neue Chronist der Gemeinde, ist fasziniert von dem ungeklärten Schicksal des Jungen und beginnt zu recherchieren. Mit entlarvendem, nicht selten satirischem Blick lässt Hamann, Jahrgang 1966, seinen Protagonisten Höfe hinter die Fassaden schauen – direkt in die guten Stuben der gar nicht so leutseligen Provinzler, die aus gutem Grund vor dem Blick in die Vergangenheit zurückschrecken.

Die Jury überzeugte der atmosphärisch dichte Erzählstil Hamanns, die virtuose Romankonstruktion sowie die starken Naturbeschreibungen und das hohe sprachliche Niveau. Die Preisverleihung fand am 5. Juni 2003 im Audienzsaal statt, die Laudatio hielt Dieter Stolz („Literarisches Colloquium Berlin“). 

Zum Autor:
Christoph Hamann, geboren 1966 in Überlingen, studierte an den Universitäten Freiburg/Breisgau und Berlin Germanistik, Soziologie, Philosophie und Geschichte. 2001 promovierte er an der Universität Essen mit einer Arbeit über New York in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Anschließend war er als wissenschaftlicher Angestellter an der Universität Dortmund tätig. Daneben lieferte er Beiträge für diverse Zeitschriften. 2003 nahm er am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt teil, war 2007-2008 wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Bamberg und trat im Anschluss ein Habilitationsstipendium an der Universität Wuppertal an. Hamann lebt in Solingen. Christof Hamann veröffentlicht seit 2001 neben wissenschaftlichen Veröffentlichungen vor allem literarische Texte und erhielt u.a. ein Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg (2001) und den Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen (2002).

Neben Christoph Hamann stellten folgende Autorinnen und Autoren ihre Romandebüts vor:
Henning Ahrens:» Lauf Jäger lauf«
Christoph Bauer: »Jetzt stillen wir unseren Hunger«
Christian Försch: »Unter der Stadt«
Sky Nonhoff: »Die dunklen Säle«
Markus Orths: »Corpus«
Sven Regener: »Herr Lehmann«
Andreas Schäfer: »Auf dem Weg nach Messara«
Juli Zeh: »Adler und Engel«