Die Manns

Eine Schriftstellerfamilie

»Was für eine sonderbare Familie sind wir! Man wird später Bücher über uns - nicht nur über einzelne von uns schreiben.«

Klaus Mann (1936)

Es gibt wohl keine zweite Familie, in der so viele geniale Frauen und Männer ihre Epoche mit den unterschiedlichsten künstlerischen Temperamenten gestaltet haben. Die Brüder Heinrich und Thomas Mann markieren den Beginn dieser literarischen Tradition. Klaus, Erika und Golo Mann, Thomas Manns Kinder, haben sie bis in die unmittelbare Gegenwart fortgesetzt. Nicht zu vergessen sind die Frauen, unter denen Katia, die Ehefrau Thomas Manns, herausragt.

Die Geschichte der Familie Mann repräsentiert ein Kapitel deutscher Zeit- und Kulturgeschichte. Immer wieder hat die "amazing family", die erstaunliche Familie, in den letzten Jahren nicht nur Literaturwissenschaftler, sondern auch Historiker, Familiensoziologen und Filmemacher zu ausführlichen Auseinandersetzungen herausgefordert. Im Buddenbrookhaus finden Sie nun die erste umfassende Ausstellung über die Familie Mann. Ausgehend von den ungleichen Schriftstellerbrüdern Heinrich und Thomas Mann, ihren Vorfahren, Geschwistern und Lebenspartnern spannt die Ausstellung in sechs Stationen einen Bogen über ihre Zeitgenossen bis hin zu ihren Nachfahren.

Der Ausstellungsrundgang beginnt mit der HERKUNFT der Familie Mann. Der hanseatischen Tradition der väterlichen Linie steht die brasilianische Lebensfreude der Mutter gegenüber. Das Leben in zwei verschiedenen Welten ist bezeichnend für die Jugendjahre der Brüder Mann. Zu der Lübecker Zeit gehören sowohl der wenig fruchtbare Besuch der verhassten Schule wie auch die enthusiastischen Theaterbesuche. Der frühe Tod des Vaters verursacht eine entscheidende Veränderung im Leben der Brüder: Die Firma des Vaters wird liquidiert; zwei Jahre nach dem Tod ihres Mannes zieht Julia Mann mit ihren drei jüngsten Kindern nach München.

Die folgende Station zeigt den AUFBRUCH von Thomas und Heinrich aus ihrer Lübecker Heimat. Die Jahre zwischen 1892 und 1905 sind bestimmt durch ein rastloses Wanderleben, das die Brüder bis nach Italien führt. Ständige Wohnungswechsel und Kontakte mit den Kreisen der Münchener Bohème kennzeichnen diesen Zeitabschnitt. Jene kontinuierliche Ruhelosigkeit spiegelt sich auch in der literarischen Produktion von Thomas und Heinrich Mann wieder.

Die weitreichende Station LEBENSWEGE umfasst einen Zeitabschnitt von 25 Jahren und zeichnet die Etablierung Thomas Manns als Familienvater und repräsentativer deutscher Schriftsteller sowie die Politisierung Heinrich Manns nach. Unterschiedliche Lebensformen und der Zwang, sich von dem brüderlichen Gegenüber künstlerisch abzuheben, führen schließlich zum zeitweiligen Bruch zwischen den beiden Brüdern. Die Station dokumentiert den Bruderzwist von den Anfängen bis zur Wiederversöhnung. Sie erlaubt auch einen Blick in das Familienleben der Manns.

Das Zentrum der Ausstellung ist die Abteilung LEIDEN AN DEUTSCHLAND, die die Zeit des Exils und die Entwicklung der deutschen Schriftsteller zu Weltbürgern darstellt. Nachdem die Zustände in Deutschland sich nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahre 1933 weiter zugespitzt haben und die Verfolgung kritischer Geister immer größere Ausmaße annimmt, kehrt die Familie Mann Deutschland den Rücken. Stationen des Exils sind Frankreich, die Schweiz und ab 1938 die USA. Während Thomas Mann, dessen Ansehen beständig wächst, sich hier in den Kreisen der intellektuellen Elite bewegt, lebt Heinrich zurückgezogen und ist auf die finanzielle Unterstützung seines Bruders angewiesen. Sowohl Thomas als auch seine Kinder Erika und Klaus setzen ihre künstlerischen Begabungen ein, um über die Zustände in Deutschland aufzuklären.

Es folgt der Abschnitt ABSCHIEDE, der die Jahre von 1949 bis 1955 umfasst. 1949 verübt Klaus Mann in Cannes Selbstmord. 1950 stirbt Heinrich Mann, kurz nachdem er beschlossen hat, Amerika den Rücken zu kehren und nach Deutschland zurückzukehren. Thomas und Katia Mann verlassen die Vereinigten Staaten, sie gehen aber nicht nach Deutschland, sondern in die Schweiz. Kurz vor seinem Tod besucht Thomas Mann ein letztes Mal Lübeck und wird zum Ehrenbürger der Hansestadt ernannt. Am 12. August 1955 stirbt Thomas Mann in Zürich.

Die SPUREN der Familie Mann bis in unsere Tage schließen den Rundgang ab. Die Enkelgeneration der einstigen Großfamilie Mann lebt heute über die ganze Welt verstreut. Auch das literarische Werk der Manns hat Spuren hinterlassen: Zahlreiche Werke von Heinrich, Klaus und vor allem Thomas Mann sind nach ihrem Tod verfilmt worden und haben ein breites Publikum erreicht. In zunehmendem Maße entstehen Gedenk- und Forschungsstätten an historischen Orten.

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