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Die historische Papierfabrik

Die historische Papierfabrik

Prekäre Arbeitsbedingungen

Frauen um 1900 beim Sortieren der Lumpen, der sogenannten Hadern, in einer Papierfabrik Scheufelen Lenningen, um 1900 | © Landesmedienzentrum Baden-Württemberg; 1900; Bestand LMZ-BW

Für die Herstellung von Papier werden in Europa noch bis ins 19. Jahrhundert abgetragene oder abgenutzte Stoffreste als Rohstoff verwendet. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts diente dann zunehmend Zellulose (Pflanzenfasern) als Grundstoff.

Mit den alten schmutzigen Lumpen gelangen Krankheitserreger in die Fabrik. Arbeiter:innen und Kinder sind diesen schutzlos ausgeliefert und erkranken häufig an Milzbrand (Infektion der Haut und Schleimhäute). Arbeitsschutzmaßnahmen wie Handschuhe oder das Tragen von Masken gab es zu dieser Zeit noch nicht.

Worte, die es mal gab:

der „Haderlump“, das „Haderlumpenweib“: Der Begriff bezeichnet den Beruf des Lumpensammlers und der Lumpensammlerin. Diese zogen früher von Dorf zu Dorf und durch städtische Gassen, wo sie Alttextilien und Stoffreste erfragten, erkauften oder sammelten. Da sie mit einem zweckdienlichen Hakenstab ausgestattet waren, mit dem sie auch umherliegenden Unrat nach Lumpen durchsuchten, standen sie in keinem guten Ruf, verbreiteten einen unangenehmen Geruch und wurden geringgeschätzt.

Gut zu wissen

1996 wurde das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) veröffentlicht, das noch heute die gesetzliche Grundlage für alle Maßnahmen der Arbeitssicherheit darstellt. Im Jahr 1839 gab es vonseiten Preußens eine erste Regelung, die besagte, dass Kinder unter neun Jahren nicht arbeiten durften. Für Arbeiter:innen bis 16 Jahre wurde die Stundenzahl auf 10 Stunden am Tag beschränkt. 1891 wurde u. a. beschlossen, dass Frauen nicht länger als 11 Stunden pro Tag arbeiten sollten. Der Beginn des Ersten Weltkrieges machte zunächst alle Arbeitsschutzmaßnahmen wieder zunichte.

Für Schüler:innen

Für den Unterricht

Themenvorschläge für Referate/Präsentationen

  • Der lange Weg zum Arbeitsschutz in Deutschland (evtl. Vergleich mit anderen Ländern)
  • Kinderarbeit damals und heute
  • Was ist Lohnarbeit eigentlich und wie ist sie entstanden?

 

Weiterführendes

Materialdossier: Unter [III.1] finden Sie eine Textstelle zu Diederichs Umgang mit einer minderjährigen Arbeiterin, die sich bei der Ausübung ihrer Tätigkeit verletzt. 

Vom Lumpen zum Papier

Im Holländer werden die Lumpen mittels rotierender Messerwalzen zerkleinert und zerfasert. So entsteht ein Faserbrei, auch Pulpe genannt, welcher abgeschöpft wird. Im nächsten Schritt wird die Pulpe auf der Langsiebpapiermaschine weiterverarbeitet.

Aus dem Papierholländer gelangt der Faserbrei in die Langsiebpapiermaschine. Hier wird er über ein Schöpfrad und einen Stofflauf in ein Schüttelsieb gegeben und entwässert. Es entsteht ein nasses Papier, welches anschließend durch Presswalzen gezogen wird. Die Blätter werden auf einer Leine zum Trocknen aufgehängt.

Papierholländer, Anfang des 20. Jh. | © Deutsche Fotothek / Unbekannter Fotograf

Zum Weiterdenken

  • Kennst du andere Erfindungen, die bestimmte Produktionsabläufe für immer verändert haben?
  • Welche negativen Seiten haben technischer Fortschritt und wirtschaftliche Vorteile?

 

Gut zu wissen

Heinrich Mann selbst ging sehr sparsam mit Papier um: Oft verwendete er erhaltene Briefbögen wieder oder sogar mehrfach. Offenkundig zerschnitt er auch Briefe, um sie als Schmierpapier weiter zu benutzen. So finden sich Entwürfe schriftstellerischer Projekte oft auf der Rückseite erhaltener Briefpost.

Wie gehst du mit Papier um?

Für Schüler:innen

Für den Unterricht

Themenvorschläge für Referate/Präsentationen

  • Erfindungen, die Produktionsabläufe für immer verändert haben (z. B. die „Spinning Jenny“, 1764)
  • Erfindungen, die Produktionsabläufe vermutlich für immer verändern werden

 

Weiterführendes

  • Finden Sie hier ein Video zu Heinrich Manns Weiterverwertung von Briefkorrespondenz. Dieses Thema wird ebenfalls in der Themenspur „Werk – Autor – Entstehungsgeschichte“ behandelt.
  • Materialdossier: Der neue Unternehmerkurs Diederichs („Großzügig!“) zeigt sich auch an der Episode rund um die Anschaffung des neuen, viel zu teuren Holländers. Unter [III.2] finden Sie eine passende Textstelle.
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