• Yulia Marfutova - Preisträgerin 2020/21
    © Yulia Marfutova

Debüt im Buddenbrookhaus

Der Preis

Der Debütpreis des Buddenbrookhauses wurde im Jahr 2003 vom Lions Club Lübeck-Hanse gestiftet. Er wird im Abstand von zwei Jahren in Erinnerung an eines der erfolgreichsten Debüts der Weltliteratur, Thomas Manns Roman Buddenbrooks, verliehen und ist mit 2000€ dotiert. Bisherige Preisträger:innen sind Christof Hamann (2003), Juliane Hielscher (2005), Robert Seethaler (2007), Jan Christophersen (2009), Nino Haratischwili (2011), Carmen Stephan (2013), Verena Boos (2014/15), Simon Strauß (2016/17) und Dana von Suffrin (2018/19).

Die Preisverleihung des 10. Debütpreis mit Yulia Marfutova findet am 25.05.2022 um 19 Uhr im Audienzsaal des Ratshauses zu Lübeck statt. Anmelden können Sie sich direkt im Museumshop „Buddenbrooks am Markt" (Markt 15, 23552 Lübeck) oder unter: shop@buddenbrookhaus.de / 0451/1224190.

Um die Verleihung des 10. Debütpreises zu feiern, schenkt das Buddenbrookhaus allen Kund:innen, die am 18.05. den Museumsshop am Markt besuchen und den Namen der diesjährigen Preisträgerin wissen, einen Debütroman aus dem Jahrgang 2020/21.

Debüt im Buddenbrookhaus 2020/21

Herzlichen Glückwunsch, Yulia Marfutova! Die Schriftstellerin erhält für ihren Erstlingsroman „Der Himmel vor hundert Jahren“ den Debütpreis des Buddenbrookhauses.

Ein russisches Dorf um das Jahr 1918. Die Revolution hat bereits stattgefunden, der Bürgerkrieg ist in vollem Gange, aber die Bewohner:innen haben von den historischen Ereignissen noch nichts erfahren. Doch selbst an einem Ort wie diesem steht die Zeit nicht still. Als ein Messer herunterfällt, taucht ein Fremder auf. In «Der Himmel vor hundert Jahren» treffen sich Ideen und Ideologen, Dorf und Welt, Gestern und Heute, Humor und Verstand.

Aus der Begründung der Jury:
„Mit dem Roman „Der Himmel vor hundert Jahren“ hat die Autorin Yulia Marfutova ein glänzendes Debüt vorgelegt, das in sprachlich virtuoser Form die Ereignisse in einem abgeschiedenen Dorf im russischen Reich um das Jahr 1918 schildert. Auf einzigartige Weise gelingt es der Autorin, den dort tief verwurzelten Aberglauben und erste Begegnungen mit der Wissenschaft zu verknüpfen. Historische Situation und allgemein menschliche Fragen verbinden sich zu einem sensibel und kunstvoll komponierten Werk, das die Bedeutung der Sprache und des Erzählens für das Zusammenleben auf verschiedenen Ebenen reflektiert.“ 

Zur Autorin:
Yulia Marfutova, geboren 1988 in Moskau, studierte Germanistik und Geschichte in Berlin und promovierte in Münster. Für ihre literarischen Arbeiten erhielt sie unter anderem das Arbeitsstipendium des Berliner Senats und den GWK-Förderpreis für Literatur. Sie war Stipendiatin des Brecht-Hauses und der Jürgen-Ponto-Stiftung, der Meisterklasse der Berliner Festspiele und des Literarischen Colloquiums Berlin. Yulia Marfutova lebt in Boston.

Neben Yulia Marfutova stellten folgende Autorinnen und Autoren ihre Romandebüts vor:
Verena Keßler: „Die Gespenster von Demmin"
Marina Frenk: „ewig her und gar nicht wahr“
Nastasja Penzar: „Yona“
Markus Ostermair: „Der Sandler"

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Podcast: Lampenfieber und Entdeckungen 

Auch Sasa Stanisic, Juli Zeh, Nino Haratischwili oder Robert Seethaler waren einmal unbekannte NachwuchsautorInnen. Damals traten sie - jung und nervös -  im Buddenbrookhaus mit ihren allerersten Romanen auf. Sie lasen vor Publikum und wetteiferten um den Debütpreis, der hier alle zwei Jahre vergeben wird.  Zum zwanzigjährigen Jubiläum erzählen die VeranstalterInnen in dieser Podcastfolge manche Anekdote: Zu ihren Lesungen brachten die Debüt-AutorInnen nämlich nicht nur ihre frischgedruckten Romane, sondern auch Lampenfieber und Hunde mit. Im Lesesaal trafen sie dann auf ein gemischtes Publikum und die einschüchternden Porträts der Hausherren Heinrich und Thomas Mann. Am Ende fanden sich Freundschaften und Literaturentdeckungen fürs Leben. 

Das moderierte Gespräch mit Dr. Birte Lipinski, Britta Dittmann und Helene Hoffmann macht große Lust, bei der nächsten Debütlesung live dabei zu sein.

 

 

 

© Gerald von Foris

Debüt im Buddenbrookhaus 2018/19

Dana von Suffrin - "Otto"

Die fachkundige Jury hat sich 2018/19 für die Nachwuchsautorin Dana von Suffrin ausgesprochen, die sich mit ihrem Roman „Otto“ gegen die starke Konkurrenz durchsetzen konnte. Die Jury lobte an Dana von Suffrins Roman vor allem die sprachliche Eleganz und die gelungene Umsetzung der Holocaust-Thematik mit Ernst und Witz zugleich, teilweise auch mit groteskem Humor. Mit ihrem Roman-Debüt habe sich Dana von Suffrin auch um die Erhaltung der Siebenbürger Sprache verdient gemacht. Mit seiner Erzählkunst stehe der Roman in bester Tradition, befand die Jury weiter.

Dana von Suffrin erzählt von Otto, einem pensionierten Ingeniuer, der für seine Umgebung schon immer eine Heimsuchung war. Aber als er aus dem Krankenhaus zurückkehrt, ist alles noch viel schlimmer. Nach wie vor ist er aufbrausend, manipulativ, distanzlos und von wahnwitzigen Einfällen beseelt – aber jetzt ist er auch noch pflegebedürftig. Seinen erwachsenen Töchtern macht er unmissverständlich klar: Ich verlange, dass ihr für mich da seid. Und zwar immer! Für Timna und Babi beginnt ein Jahr voller unerwarteter Herausforderungen, aber auch der Begegnung mit der eigenen Vergangenheit und Familiengeschichte, die so schräg ist, dass Außenstehende nur den Kopf schütteln können. Klug, liebevoll und mit sehr viel schwarzem Humor erzählt Dana von Suffrin, wie Timna versucht, ihre dysfunktionale Familie zusammenzuhalten, ohne selbst vor die Hunde zu gehen. »Otto« ist Hommage und zugleich eine Abrechnung mit einem Mann, in dessen jüdischer Biografie sämtliche Abgründe des 20. Jahrhunderts aufscheinen.

Zur Autorin:
Dana von Suffrin wurde 1985 in München geboren. Studium in München, Neapel und Jerusalem. 2017 Promotion mit einer Arbeit zur Rolle von Wissenschaft und Ideologie im frühen Zionismus, seitdem Postdoc an der LMU. Ihr Romandebüt »Otto« wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Sie lebt in München.

Margret Witzke © Buddenbrookhaus/Heinrich-und-Thomas-Mann-Zentrum.

Debüt im Buddenbrookhaus 2016/17

Simon Strauß - "Sieben Nächte"

Der Debütpreis des Buddenbrookhauses geht im Jahr 2016/17 an den in Frankfurt am Main lebenden Schriftsteller und Journalisten Simon Strauß. Die Jury würdigt mit der Preisvergabe seinen Erstlingsroman „Sieben Nächte“.
In seinem Debütroman erzählt Simon Strauß von einem jungen Mann an der Schwelle, der alles aufbringt, um sich Gewohnheit und Tristesse zu verwehren. „Sehr bald werde ich mich festlegen müssen. Auf ein Leben, eine Arbeit, eine Frau“, so der namenlose Ich-Erzähler. Bevor es soweit kommt, schließt er mit einem Bekannten einen Pakt: In sieben Nächten wird er sich sieben Todsünden hingeben, als Alternative zu einem Leben in Sicherheit und geregelten Bahnen. Er muss gierig, hochmütig und faul sein, neiden und wüten, Völlerei und Wollust treiben – sich dem Leben preisgeben, um sich die Empfindung zu erhalten. Im Schutze der Nacht entwickelt er aus der Erfahrung der sieben Todsünden die Konturen einer besseren Welt, eines intensiveren Lebens.

Zum Autor:
Simon Strauß, geboren 1988 in Berlin, studierte Altertumswissenschaften und Geschichte in Basel, Poitiers und Cambridge. Hospitanzen und eine Gastdramaturgie am Theater. Mitorganisator des Jungen Salons in Berlin. 2017 promovierte er an der Humboldt-Universität zu Berlin mit einer althistorischen Arbeit über »Konzeptionen römischer Gesellschaft bei Theodor Mommsen und Matthias Gelzer«. Er lebt in Frankfurt, ist Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Debüt im Buddenbrookhaus 2014/15

Verena Boos - »Blutorangen«

Für die junge Spanierin Maite ist das Studium in München vor allem eine Chance, ihrem konservativen Elternhaus zu entfliehen. Ihre Heimat Valencia, berühmt für den Handel mit makellosen Orangen, wird ihr allmählich fremd. Sie verliebt sich in Carlos, der aus einer deutsch-spanischen Familie stammt, und befreundet sich mit seinem Großvater Antonio. Der alte Emigrant berichtet von nie gehörten Ereignissen und erzählt doch nicht alles. Eines Tages wird aus der Zuhörerin eine Fragerin: Wie gelangte ihr Vater in eine deutsche Uniform? 

Die Jury votierte für den klassischen Roman, der sich mit Vergangenheitsbewältigung, Schuld und Unschuld befasst und auf besondere Weise die Geschichte zweier Familien erzählt. Die Jury begründete ihre Entscheidung unter anderem damit, dass der Roman »Blutorangen« verschiedene Handlungsstränge sehr gekonnt verbinde und zudem im besten Sinne lehrreich sei. »Thema des Romans sind Episoden der deutschen und spanischen Geschichte aus dunkler Zeit, so etwa der Einsatz spanischer Freiwilligenverbände an der Ostfront während des Zweiten Weltkriegs. Diese Episode der spanischen Geschichte wird jetzt erst in Spanien aufgearbeitet. Das verleiht dem Roman zusätzliche Aktualität.«

Zur Autorin:
Verena Boos wurde 1977 in Rottweil geboren, wo sie auch aufwuchs und wieder lebt. Längere Aufenthalte in Paris, Bologna, Glasgow, Florenz, Barcelona und London, schließlich Valencia, München und Frankfurt. Studium der Anglo-Amerikanischen Literatur, Soziologie und Kulturwissenschaften, Promotion in Zeit- und Kulturgeschichte. Seit 2010 freie Autorin. Mit „Blutorangen“ legte sie 2015 eines der beeindruckendsten Debüts der letzten Jahre vor, ausgezeichnet u.a. mit dem Mara-Cassens-Preis.

Neben Verena Boos stellten folgende Autorinnen und Autoren ihre Romandebüts vor: 
Franz Friedrich: »Die Meisen von Uusimaa singen nicht mehr«
Hans von Trotha: »Czernin oder wie ich lernte, den Ersten Weltkrieg zu verstehen«
Martin Becker: »Der Rest der Nacht«
Julia Wolf: »Alles ist jetzt«
Helwig Arenz: »Der böse Nik«

Debüt im Buddenbrookhaus 2013

Carmen Stephan - „Mal Aria"

Am Abend lief Carmen noch um die Wette am Strand – in der Nacht weckt sie ein kalter Schmerz. Kein Arzt in Brasilien weiß ihr zu helfen. Nur einer weiß alles: der Moskito, der Carmen gestochen hat ... Immer tiefer verbindet er sich mit seinem Opfer, immer tiefer zieht er den Leser in diese Geschichte, die zugleich eine Parabel über die Unkontrollierbarkeit des Lebens ist.

In der Begründung der Jury heißt es: „Der Preisträgerin ist mit Ihrem Romandebüt „Mal Aria" ein großer Wurf gelungen. Die Beschreibung der Malariainfektion aus Sicht der den Erreger übertragenen Mücke besticht durch ihre Originalität und sprachliche Präzision. Das Infragestellen des anthropozentrischen Weltbildes ist überzeugend gelungen. Der Roman besitzt außerdem in Zeiten, in denen sich ehemalige Tropenkrankheiten immer weiter in den Norden ausbreiten, eine geradezu erschreckende Aktualität.“ 

Zur Autorin:
Carmen Stephan, geboren 1974, wohnt in München. Sie lebte als Autorin für mehrere Jahre in Rio de Janeiro. 2005 erschien der Geschichtenband »Brasília Stories«. »Mal Aria« ist ihr erster Roman, sie bekam dafür den Literaturpreis der Jürgen-Ponto-Stiftung 2012. 

Neben Carmen Stephan stellten folgende Autorinnen und Autoren ihre Romandebüts vor:
Simon Urban: »Plan D«
Marc Deckert: »Die Kometenjäger«
Martin Horváth: »Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten«
Florian Scheibe: »Weiße Stunde«
Hannes Stein: »Der Komet«  

Debüt im Buddenbrookhaus 2011 

Nino Haratischwili - „Juja"

Beruhend auf einer wahren Geschichte stellt Nino Haratischwili in ihrem ersten Roman die Frage nach Authentizität. Das Buch "Die Eiszeit" von Jeanne Saré wird in den Siebziger Jahren ein großer Verkaufserfolg, vor allem in feministischen Kreisen. Das hasserfüllte Buch der jugendlichen Selbstmörderin Saré animiert mehrere Leserinnen zum Suizid. Nun, in der Jetztzeit, macht sich eine Kunstwissenschaftlerin in Paris auf die Suche nach Saré. Was hat der Verleger des Buches, ein frauenhassender älterer Herr mit Saré zu tun? Wer war Jeanne Saré eigentlich? Warum gibt es keine Zeugnisse? Und wie konnte das Buch derart wirken? Nino Haratischwili verknüpft geschickt mehrere Erzählstränge in diesem Roman, und beschreibt auf schwindelerregende Weise, welche Bedeutung das Reale und das Irreale für das soziale Leben haben können. 

Aus der Urteilsbegründung der Jury: In ihrem Romandebüt gelingt es Nino Haratischwili die Frage nach Authentizität und Autorschaft sowie nach der Bedeutung von Literatur für die individuelle Identität auf eine eigene und besondere Weise zu stellen. Virtuos verknüpft Nino Haratischwili in ihrem Debüt verschiedenen Erzählebenen und Perspektiven. Die Autorin begibt sich in ein spannendes metaliterarisches Spiel mit den Lesererwartungen an Fiktion und Wirklichkeit. 

Zur Autorin:
Nino Haratischwili wurde 1983 in der georgischen Hauptstadt Tiflis geboren. Sie studierte Filmregie an der staatlichen Schule für Film und Theater in Tiflis, es folgte ein Regiestudium an der Theaterakademie Hamburg. Seitdem arbeitet sie als Theaterautorin und –regisseurin (mit Uraufführungen u.a. im Thalia-Theater, Kampnagel in Hamburg, Heidelberger Stückemarkt, Deutsches Theater Göttingen). Für ihr dramatisches Werk wurde die Autorin bereits augezeichnet (u.a. mit dem Adalbert von Chamisso-Förderpreis). Ihr Romandebüt Juja erschien 2010 beim Verbrecher Verlag und stand auf der Longlist des Deutschen Buchpreises; 2011 ist bereits ihr zweiter Roman „Mein sanfter Zwilling“ bei der Frankfurter Verlagsanstalt erschienen, der u.a. auf der Hotlist 2011 zu finden ist. Nino Haratischwili lebt heute in Hamburg.

Neben Nino Haratischwili stellten folgende Autorinnen und Autoren ihre Romandebüts vor:
Moritz Rinke: »Der Mann, der durch das Jahrhundert fiel«
Sabrina Janesch: »Katzenberge«
Astrid Rosenfeld: »Adams Erbe«
Oliver Wnuk: »Wie im richtigen Film«
Donata Rigg: »Weiße Sonntage«

Debüt im Buddenbrookhaus 2009 

Jan Christophersen - „Schneetage"

Ein kleines nordfriesisches Dorf an der deutsch-dänischen Grenze, unvorbereitet auf die kommende Schneekatastrophe. Zum Jahreswechsel 1978/79 tobt über Norddeutschland ein Schneesturm, von dem die Menschen bis heute erzählen und für Jannis Tamm sind es ungewisse, dramatische Tage, in denen er das Puzzle seiner eigenen Familiengeschichte Stück für Stück zusammensetzt. Paul Tamm, der Wirt des »Grenzkrugs« und Jannis’ Ziehvater, bricht plötzlich zusammen und muss während der Schneetage ins Krankenhaus geliefert werden. Diese Zeit der Angst und Sorge sind Anlass für Jannis, sich an die vergangenen gemeinsamen Jahrzehnte zu erinnern: wie er selbst nach dem Zweiten Weltkrieg als kleiner Junge in die Familie kam, wie Paul aus dem Lager zurückkehrte, zunächst beim Wiederaufbau der Gastwirtschaft half und sich später immer mehr von der Familie entfernte. Paul wird getrieben von der Suche nach der versunkenen Stadt Rungholt – einem Ort, den der Legende nach die Menschen dem Meer abgetrotzt hatten, sich das Meer 1362 aber zurückeroberte. Bei Pauls Jagd nach den Spuren der versunkenen Stadt im Watt begleitet ihn Jannis, der dabei auf die Geschichte eines englischen Soldaten stößt. Auf geheimnisvolle Weise scheint diese mit Jannis’ Herkunft verknüpft zu sein. 

In ihrer Laudatio bescheinigt die Jury Jan Christophersen das Gelingen des Kunststücks, in karger und lakonischer Sprache ein stimmiges Bild norddeutscher Mentalität zu entwerfen und dabei stimmungsvoll und atmosphärisch dicht zu erzählen. Der spannende Plot erfährt durch die virtuose Verknüpfung von verschiedenen Zeitebenen eine besondere Intensität und Tiefe.

Zum Autor:
Jan Christophersen ist 1974 in Flensburg geboren und hat am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig studiert. Er erhielt mehrere Stipendien, u.a. ein Aufenthaltsstipendium im Künstlerdorf Schöppingen und im Kloster Cismar sowie ein Stipendium der Akademie der Künste zu Berlin. Im Oktober 2010 war Jan Christophersen Stadtschreiber von Tampere (Finnland). Er lebt mit seiner Familie bei Schleswig. 

Neben Jan Christophersen stellten folgende Autorinnen und Autoren ihre Romandebüts vor:
Thomas Pletzinger: »Die Bestattung eines Hundes«
Judith Schalansky: »Blau steht dir nicht«
Stephan Puchner: »Nebelheim«
Reinhard Stöckel: »Der Lavagänger«

Debüt im Buddenbrookhaus 2007

Robert Seethaler „Die Biene und der Kurt"

16-jährig, pummelig, klein, eigenwillig, Brillengläser so dick wie Bierkrugböden mit riesig vergrößerten braunen Augen dahinter und einem blonden, schräg vom Kopf abstehenden »Pferdestummel«. Das ist Biene Kravcek. Biene lebt im Mädchenwohnheim. Als sie sich eines Tages in einen Baum setzt und der Welt ihren nackten Hintern zeigt, wird sie in die Psychiatrie eingewiesen. Biene flüchtet, entkommt knapp ihren Verfolgern und fährt im Zugbistro der Freiheit entgegen. An einem gottverlassenen Bahnhof steigt sie aus und trifft auf den abgehalfterten, dicklichen, kettenrauchenden und versoffenen Schlagersänger und Keyboardinterpreten Kurt »Heartbreakin’« Dvorcak. Gemeinsam touren Biene und Kurt nun im scheppernden aber glitzernden »Heartbreakin´-Mobil« durch die Provinz, spielen in Wirtshäusern, Altenheimen und Zuchttierhallen, treffen auf pralle Frauen, gewaltige Bauern, tanzende Polizisten, Wirtinnen in roten Overalls, auf über tausend Truthahnküken und erleben auch sonst einige recht bemerkenswerte Abenteuer. Als sie sogar ihre Chance vor großem Publikum bekommen, bricht Kurts Lebenslüge allerdings endgültig zusammen. Nach diversen überwundenen Widerständen entwickelt sich zwischen Biene und Kurt eine seltsame aber tiefe Liebe, die ein abruptes Ende findet, in Biene aber weiterlebt. 

Die Jury im Urkundentext: Robert Seethaler gibt einem alten Thema der Literaturgeschichte eine ebenso atmosphärische wie poetische Wendung in die Gegenwart. Die durch seinen filmischen Blick erschriebenen Figuren überzeugen ebenso durch ihre Lebensnähe wie individuelle Tiefenschärfe. Die Preisverleihung fand am 11. Oktober 2007 statt, die Laudatio hielt der Publizist und Moderator Stephan Maelck aus Halle. 

Zum Autor:
Robert Seethaler, 1966 in Wien geboren, war Elektriker, Physiotherapeut, Sport- und Plattenverkäufer. Er arbeitete als Journalist, Schauspieler und Drehbuchautor und erhielt zahlreiche Stipendien, darunter das »Alfred-Döblin-Stipendium der Akademie der Künste«. Der Film nach seinem Drehbuch Die zweite Frau wurde mehrfach ausgezeichnet und lief auf verschiedenen internationalen Filmfestivals. 2008 erschien sein zweiter Roman Die weiteren Aussichten. Robert Seethaler lebt in Berlin und Wien. Im Juli 2010 ist sein neuer Roman Jetzt wirds ernst bei Kein & Aber erschienen.  

Neben Robert Seethaler stellten folgende Autorinnen und Autoren ihre Romandebüts vor:
Leander Haußmann: »NVA«
Rabea Edel: »Das Wasser in dem wir schlafen«
Saša Stanišic: »Wie der Soldat das Grammofon repariert«
Emma Braslavsky: »Aus dem Sinn«
Hans-Peter Kunisch: »Die Verlängerung des Marktes in den Abend hinein«

Debüt im Buddenbrookhaus 2005

Juliane Hielscher „Vom Leben und Sterben der Pinguinfische"

Dies ist die Geschichte von Helene, die ihr Kind verlor, in dessen Kopf hinter dem rechten Ohr etwas gewachsen ist, was da nicht hätte wachsen sollen. Im Sommer waren Mutter und Sohn in einem alten, vergessenen Küstenort in der Nähe Santiago de Compostela. In Punta del Cambio, wo sie freundliche Aufnahme im ehemaligen Kloster Espiritu Hijo fanden, hungrig und durstig von einem langen Ausflugstag. Jetzt ist Benjamin tot, unvorstellbar ist dieser Tod und das Sterben des Kindes für Helene. Sie bricht mit ihrem bisherigen Leben, zieht einen Schlussstrich, verkauft ihr Haus, verlässt die Stadt, das Land – und reist zurück nach Spanien. Dort, in Punta del Cambio, versucht Helene ihrem Schmerz und ihrer Trauer Herr zu werden, verbringt Tage und Monate am Strand und an den Klippen des Küstenortes, bis sie langsam und allmählich mit Hilfe der Klosterfrau Hermana Consuelo ankommt in diesem kleinen Ort und ein wenig auch bei sich selbst. Helene erinnert sich an die glücklichen Tage mit ihrem kleinen Sohn Benjamin, an den Ausflug in ein Aquarium, wo er nicht mehr vom Becken der Pinguine loszueisen war und voller Überzeugung feststellte: „Siehst du, wie sie schwimmen, man kann es genau sehen, es sind doch Pinguinfische. Ich hab´s gewusst.“

Juliane Hielscher hat mit ihrem Romandebüt »Vom Leben und Sterben der Pinguinfische« einen Text vorgelegt, der von Freundschaft handelt und von Liebe erzählt, der den Verlust eines Kindes zum Thema hat, von Trauer und Schmerz berichtet und dabei Wege aufzeigt, die zurück ins Leben führen mögen.

Zur Autorin:
Juliane Hielscher, geboren 1963, studierte Philosophie und Germanistik in Hamburg und Buenos Aires. Nach ihrem Studium arbeitete sie als freie Journalistin für den Hörfunk und Zeitschriftenverlage. Zwischen 1988 und 1995 war sie dann als Redakteurin und Moderatorin bei SAT.1, u.a. für die SAT.1-News, Deutschland Heute Mittag und für das SAT.1-Frühstückfernsehen. Ab 1994 war sie dann als Moderatorin für Guten Morgen Deutschland tätig. Für die ARD arbeitete sie als Talkmasterin in der täglichen Sendung Juliane & Andrea und seit 1998 dann als Moderatorin beim ZDF-Morgenmagazin. Ende 2007 widmete sich die Moderatorin neuen Aufgaben u. a. als freie Journalistin für ZDF 'aspekte' und stellte sich erfolgreich der neuen Herausforderung als Dozentin für Kommunikation und Fernsehjournalismus. 

Neben Juliane Hielscher stellten folgende Autorinnen und Autoren ihre Romandebüts vor:
Sandra Hoffmann: »Den Himmel zu Füßen«
Ulla Lenze: »Schwester und Bruder«
Birk Meinhardt: »Der blaue Kristall«
Jana Scherer: »Mein Vater, sein Schwein und ich«
Matthias Wittekindt: »Sog«
Roland Stelter: »Leons Bruder«

Debüt im Buddenbrookhaus 2003

Christof Hamann - „Seegfrörne"

„Seegfrörne“ nennen die Anwohner es, wenn der Bodensee zu einer einzigen Eisfläche wird. Dieses äußerst seltene Naturschauspiel fand zum letzten Mal im Jahr 1963 statt. Seither gilt der sechzehnjährige Robert Teiler, der sich auf den Weg übers Eis gemacht hat, als verschollen. Höfe, der neue Chronist der Gemeinde, ist fasziniert von dem ungeklärten Schicksal des Jungen und beginnt zu recherchieren. Mit entlarvendem, nicht selten satirischem Blick lässt Hamann, Jahrgang 1966, seinen Protagonisten Höfe hinter die Fassaden schauen – direkt in die guten Stuben der gar nicht so leutseligen Provinzler, die aus gutem Grund vor dem Blick in die Vergangenheit zurückschrecken.

Die Jury überzeugte der atmosphärisch dichte Erzählstil Hamanns, die virtuose Romankonstruktion sowie die starken Naturbeschreibungen und das hohe sprachliche Niveau.

Zum Autor:
Christoph Hamann, geboren 1966 in Überlingen, studierte an den Universitäten Freiburg/Breisgau und Berlin Germanistik, Soziologie, Philosophie und Geschichte. 2001 promovierte er an der Universität Essen mit einer Arbeit über New York in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Anschließend war er als wissenschaftlicher Angestellter an der Universität Dortmund tätig. Daneben lieferte er Beiträge für diverse Zeitschriften. 2003 nahm er am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt teil, war 2007-2008 wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Bamberg und trat im Anschluss ein Habilitationsstipendium an der Universität Wuppertal an. Hamann lebt in Solingen. Christof Hamann veröffentlicht seit 2001 neben wissenschaftlichen Veröffentlichungen vor allem literarische Texte und erhielt u.a. ein Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg (2001) und den Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen (2002).

Neben Christoph Hamann stellten folgende Autorinnen und Autoren ihre Romandebüts vor:
Henning Ahrens: »Lauf Jäger lauf«
Christoph Bauer: »Jetzt stillen wir unseren Hunger«
Christian Försch: »Unter der Stadt«
Sky Nonhoff: »Die dunklen Säle«
Markus Orths: »Corpus«
Sven Regener: »Herr Lehmann«
Andreas Schäfer: »Auf dem Weg nach Messara«
Juli Zeh: »Adler und Engel«

Die Jury

Die Jury besteht aus fünf Mitgliedern:

Jürgen Feldhoff (Lübecker Nachrichten)
Dr. Birte Lipinski (Museumsleiterin des Buddenbrookhauses)
Prof. Ulrich Nieschalk (Lions Club Lübeck-Hanse)
Imke Jelen (Volontärin im Buddenbrookhaus)
Olaf Adler (Buchhandlung Adler, Lübeck)